Mannemer Dreck – Gebäckspezialität aus Mannheim

Mannemer Dreck – Gebäckspezialität aus Mannheim

Gebäck als Protest

Der Mannemer Dreck, Hochdeutsch: Mannheimer Dreck oder einfach der Dreckhaufen ist eine Mannheimer Spezialität, die auf das Jahr 1822 zurückgehen soll. Als die Stadt Mannheim Anfang des 19. Jahrhunderts wuchs, wuchsen auch die Probleme. Da es zu dieser Zeit noch keine Kanalisation gab, wurden die Fäkalien von den Bewohnern einfach auf die Straße geschüttet. Dies stank nicht nur den Stadtvätern Mannheims so sehr, dass den Bewohnern per Anordnung verboten wurde, “den im Hause gesammelten Kot mit dem Kehricht auf die Straße” zu kehren. Dies soll einen Bäcker auf die Idee gebracht haben, diese braune Spezialität zu erschaffen. Möglicherweise sollte es sich dabei um eine Art Protest handeln. Denn mit der Obrigkeit hatte man sich in Mannheim noch nie gut vertragen.

BUKECHI | Mannemer Dreck

Residenzstadt Mannheim

Bereits als der Kurfürst Friedrich IV. 1605 in dem Dorf Mannenheim eine Festung errichten lassen wollte, traf er auf erbitterten Widerstand. Erst als dem Dorf die Stadtprivilegien zugestanden wurden, legten sich die Proteste und die Festung konnte gebaut werden. Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) kämpften die Mannheimer auf Seiten der Protestanten, was zur Zerstörung der Stadt führte. 1720 verlegte der Kurfürst Carl Philipp seinen Hof von Heidelberg nach Mannheim und ließ das Mannheimer Schloss erbauen, welches 1760 fertiggestellt wurde. Das Schloss Mannheim ist nach Schloss Versailles das zweitgrößte Barockschloss Europas und besitzt sogar beabsichtigt(!) ein Fenster mehr, als das berühmte französische Schloss. Mannheim war nur 58 Jahre Residenzstadt der Kurpfalz. In dieser Zeit förderten die Kurfürsten die Kunst, Musik und Wissenschaft. Berühmte Leute, Dichter und Denker kamen nach Mannheim. Unter ihnen Goethe, Schiller, Lessing und Mozart. Bereits 1778 wurde die Residenz der Kurfürsten nach München verlegt. Der Stolz der Mannheimer auf die kurfürstliche Zeit ist dennoch bis heute ungebrochen.

Schmelztiegel der Kulturen

Obwohl die Stadt Mannheim bereits 1803 an Baden fiel, welches nach dem zweiten Weltkrieg zusammen mit Württemberg und Hohenzollern das Bundesland Baden-Württemberg bildet, fühlen sich die Mannheimer noch immer als Kurpfälzer. Der Dialekt der Mannheimer ist vermutlich jedem, der nicht aus der Gegend stammt absolut unverständlich, was der Kurpfälzer gerne in wortreichem Dialekt zu tadeln weiß. Mannheim war schon immer eine Stadt der Einwanderer. Erst waren es seit dem 17. Jahrhundert Franzosen, Niederländer und Flamen, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit aus ihrer Heimat fliehen mussten und eine neue Heimat fanden. Dann waren es im 20. Jahrhundert die Gastarbeiter, die blieben und in Mannheim eine der größten Moscheen in Deutschland erbauten. So ist Mannheim vielleicht nicht der Nabel der Welt, außer für die Mannheimer, aber immerhin multikulturell erfolgreich. Wenn ihr in Mannheim seid, könnt ihr in einer von mehreren Bäckereien, z. B. der Konditorei Herrdegenunbezahlte Werbung die Dreckhaufen probieren. Natürlich hat jede Bäckerei ihr eigenes Originalrezept für diese Leckerei.

Mannemer Dreck | BUKECHI

Streit um den Dreck

Es ist wohl nicht verwunderlich, dass der Name des Gebäcks früher oder später zu Problemen führen sollte. 1984 sollte der Name Dreck für diese Leckerei verboten werden, da dies nicht in die Liste deutscher Lebensmittel aufgenommen werden könne. Aber die Mannheimer Bäcker wussten sich dagegen zu wehren und so konnte der Name Mannemer Dreck weiter genutzt werden. Nur wenige Jahre später sollte der Mannemer Dreck zumindest den Zusatz erhalten, dass es sich um ein lebkuchenartiges Gebäck handelt. Auch das scheiterte am Widerstand der Mannheimer Bäcker. Also backt doch einmal ein paar Dreckhaufen und entscheidet selbst, um was es sich bei dieser Mannheimer Spezialität handelt. Eines steht für uns fest: Es schmeckt nach mehr!

Mannemer Dreck | BUKECHI

Mannemer Dreck - Gebäckspezialität aus Mannheim

11. Mai 2020
: Mittel

Trotz des Namens und der Koseform Dreckhaufen handelt es sich beim Mannemer Dreck um eine ausgesprochen leckere Spezialität. Das Nachbacken sei an dieser Stelle auf jeden Fall empfohlen.

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Zutaten
  • 150 g Weizenmehl
  • 150 g Marzipanrohmasse
  • 150 g Haselnüsse, gemahlen
  • 50 g Zitronat, gehackt
  • 50 g Orangeat, gehackt
  • 1 TL Zitronenschale, gerieben
  • 2 EL Honig
  • 100 g Zucker
  • 4-5 Eier je nach Größe, nur das Eiweiß davon (insgesamt ca. 150 g Eiweiß)
  • 1/8 TL Salz
  • 1/8 TL Zimt gemahlen
  • 1/8 TL schwarzer Pfeffer, gemahlen
  • 1/8 TL Muskat, gemahlen
  • 1/8 TL Nelken, gemahlen
  • 1/8 TL Kardamom, gemahlen
  • 1/8 TL Koriander, gemahlen
  • 1/8 TL Backpulver
  • 30-35 Backoblaten
  • 200 g Zartbitterkuvertüre
  • Optional 50 g weiße Kuvertüre
Anleitung
  • Step 1 Die Haselnüsse mit der Mandelmühle* mahlen. Wer möchte, kann das Orangeat und Zitronat zusammen mit den Haselnüssen mahlen. Ansonsten Orangeat und Zitronat hacken.
  • Step 2 Das Mehl, die Marzipanrohmasse, die gemahlenen Haselnüsse, das gehackte Zitronat und Orangeat, den Honig, die geriebene Zitronenschale, die Gewürze und das Backpulver in eine Schüssel* geben und miteinander verkneten.
  • Step 3 Das Eiweiß abwiegen und zusammen mit dem Zucker mit einem Handrührer* steif schlagen.
  • Step 4 Den Eischnee vorsichtig mit einem Kochlöffel unter die Teigmasse heben.
  • Step 5 Backblech mit Backpapier auslegen und Backoblaten darauf verteilen.
  • Step 6 Die Teigmasse in einen Spritzbeutel* füllen und auf die Backoblaten spritzen oder mit einem Löffel darauf verteilen.
  • Step 7 Anschließend für 5 Stunden bei Zimmertemperatur trocken lassen.
  • Step 8 Dann den Backofen auf 200°C vorheizen.
  • Step 9 10 bis 15 Minuten backen.
  • Step 10 Vollkommen abkühlen lassen.
  • Step 11 Die Kuvertüre in einer Schmelzschale* im Wasserbad schmelzen und mit einem Backpinsel dick auf dem Mannemer Dreck verteilen. Erneut vollkommen abkühlen lassen.
  • Step 12 Wer möchte kann die Dreckhaufen noch mit etwas weißer Kuvertüre verschönern. Dazu die Kuvertüre schmelzen in einen hitzebeständigen Spritzbeutel* mit kleiner Öffnung füllen und in feinen Steifen auf den Dreckhaufen verteilen.

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