Ivan Chai – Fermentierter Weidenröschentee

Ivan Chai – Fermentierter Weidenröschentee

Ivan Chai, Kaporskij Chai, Iwan Tee oder einfach Weidenröschentee wird aus den Blättern des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) hergestellt. Entweder werden die Blätter dazu lediglich getrocknet und wie grüner Tee zubereitet oder die Blätter werden vor der Verwendung ähnlich dem schwarzen Tee fermentiert. Wir zeigen hier, wie die Fermentation funktioniert und ihr ein köstliches und zudem gesundes Teegetränk aus heimischen Pflanzen herstellen könnt.

Das schmalblättrige Weidenröschen gehört zu den Nachtkerzengewächsen. Die Pflanze mit ihren schönen rosa bis violetten Blüten ist auf der Nordhalbkugel weit verbreitet und gilt als Pionierpflanze. Die Pflanzen sind sehr anpassungsfähig und siedeln sich als eine der ersten Pflanzen, die sich in frisch gerodeten Wäldern, an Uferbereichen, auf kargen, kahlen Flächen, aber auch auf Schutt und Trümmern an. In Deutschland ist das Weidenröschen auch als Trümmerblume bekannt, da die Pflanzen sich auf den Trümmern der im zweiten Weltkrieg ausgebombten Städte großflächig ausbreitete. Der englische Name fireweed beschreibt ebenfalls, dass das Weidenröschen sich nach Waldbränden sehr schnell über die mit Flughaaren besetzten Samen verbreitet.

BUKECHI | Ivan Chai – Weidenröschen

In der russischen Volksheilkunde werden dem Weidenröschen als Heilpflanze und als Tee zahlreiche positive Wirkungen zugeschrieben. Der Ivan Chai gilt als Stärkungsmittel und wird aufgrund der enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe bei Magen-Darmerkrankungen, Blasen- und Harnwegsentzündung sowie bei Prostatabeschwerden getrunken. Ob der Tee bei diesen Beschwerden tatsächlich eine Wirkung erzielt, ist allerdings nicht eindeutig nachgewiesen.

Die jungen Stängel des Weidenröschens werden in Russland geschält und wie Spargel zubereitet. Die frischen Blätter der Pfanze werden kleingeschnitten als Salatzutat genutzt.

Woher stammt Ivan Chai ursprünglich?

Der Weidenröschentee soll laut Mythos bereits vor über 700 Jahren im Umkreis der Festung Koporje bei Sankt Petersburg hergestellt worden sein. Dem Tee wurde damals nachgesagt, dass er wundersame Kräfte besitzt und Stärke verleiht. Daher war der Weidenröschentee bereits im 12. Jahrhundert bei den russischen Kriegern sehr beliebt. Bis zum 20. Jahrhundert soll Ivan Chai eines der wichtigsten Exportgüter Russlands gewesen sein. Sogar das Zarenhaus soll den Tee regelmäßig getrunken haben.

Der Weidenröschentee wurde aber auch verwendet, um teure chinesische Tees, die durch Russland nach Europa transportiert wurden, zu imitieren oder zu strecken. Im 19. Jahrhundert nahm die Fälschung von chinesischem Tee solche Ausmaße an, dass in Russland die Herstellung des Weidenröschentees teilweise verboten wurde, um dies zu stoppen. Die Fälschung der chinesischen Tees nahm aber weiterhin massiv zu, bis Ende des 19. Jahrhunderts die teuren chinesischen Tees durch den Import der billigen Tees aus Indien und Sri Lanka durch die Britische Ostindien-Kompanie erfolgte. Der Handel mit teurem chinesischem Tee verlor dadurch an Bedeutung und das Verfälschen lohnte sich nicht mehr.

Die Nazis fürchteten die Wirkung des Ivan Chai

In einer von zahllosen Legenden um den Ivan Chai wird berichtet, dass ein Wissenschaftler auf Basis des Weidenröschentees ein Pulver entwickelt hätte, welches er erfolgreich gegen Krebs und andere Erkrankungen eingesetzt haben soll. In seiner Klinik sollen Leute wie Rasputin, die Jussupows und selbst die Zarenfamilie ein und ausgegangen sein. Nach der Oktoberrevolution 1917 soll der Wissenschaftler, der bereits über hundert Jahre alt war, von den Bolschewiki verhaftet und misshandelt, das Labor verwüstet und die Mitarbeiter getötet. Auch der Wissenschaftler selbst starb ebenfalls nach seiner Entlassung an den Misshandlungen.

Zu Zeiten der Sowjetunion machte sich Stalin auf, die angebliche Wunder- und Heilkraft des Weidenröschentees für die Gesundheit und Kampfkraft der Soldaten der Roten Armee zu nutzen. In Koporje bei St. Petersburg (damals Leningrad), wurde dazu ein neues Labor (Codename Lebensfluss) zur Erforschung der Wirkung des Ivan Chai eingerichtet.

Als die deutsche Armee 1941 die Stadt Leningrad belagerte, gab der Leiter der Heeresgruppe Nord Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb, den angeblich direkt von Hitler stammenden Befehl weiter, die Stadt Koporje und das Labor dem Erdboden gleichzumachen. Die deutsche Armee verwüstete das Labor, das Teezentrum und die gesamte Stadt daraufhin. Ob die Informationen zu dem Stärkungsmittel, wie vom deutschen Geheimdienst verlangt, sichergestellt wurden, ist nicht bekannt. Ob diese Geschichte sich tatsächlich so abgespielt hat oder ob es nur eine von vielen Legenden um den Ivan Chai ist, ist ebenso unbekannt.

Wie schmeckt Ivan Chai?

Ivan Chai ist eine koffeinfreie Alternative zu schwarzem Tee, wenn der Weidenröschentee fermentiert wird. Fermentierter Ivan Chai schmeckt aromatisch mit einer herb-süßen Note und kann schwarzem Tee im Geschmack sehr ähnlich sein. Der Tee wirkt nicht aufputschend, enthält weder Koffein, noch Teein oder Oxalsäure. Ivan Chai soll ausgleichend den Säure-Basen-Haushalt des Körpers beeinflussen.

BUKECHI | Ivan Chai – Tee

Ivan Chai – Fermentierter Weidenröschentee

8. September 2022
: Leicht

Für den Aufguss des Ivan Chai 1 - 2 Teelöffel in ein Teesieb füllen, mit heißem, nicht mehr kochenden Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Dann das Teesieb entfernen und den fertigen Tee genießen.

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Zutaten
  • Eine beliebige Menge frisch geernteter Blätter des schmalblättrigen Weidenröschens
Anleitung
  • Step 1 Die gesammelten Blätter verlesen. Nur einwandfreie Blätter weiterverwenden.
  • Step 2 Die Blätter gut mit klarem Wasser spülen und in der Salatschleuder* trockenschleudern. Die Blätter auf einem Handtuch ausbreiten und das restliche Wasser abtupfen.
  • Step 3 Während der gesamten Herstellung keine metallischen Behältnisse verwenden.
  • Step 4 Die Blätter sehr dicht und fest in ein oder mehrere luftdicht verschließbare Gläser* füllen. Es sollte möglichst kein freier Platz mehr in den Gläsern vorhanden sein. Die Gläser verschließen und bei Zimmertemperatur ca. 24 Stunden stehen lassen.
  • Step 5 Nach 24 Stunden sind die Blätter angewelkt und verströmen einen leicht süßlich-blumig-fruchtigen Geruch. Die erste Fermentation hat begonnen.
  • Step 6 Nun werden die Blätter portionsweise in eine Glas- oder Kunststoffschüssel gegeben und mit den Händen fest durchgeknetet, bis der Pflanzensaft aus den Blättern austritt. Die Blätter dabei wie einen festen Teig kneten und zwischendurch immer wieder auflockern. Die Zellwände der Blätter sollen durch das Kneten aufgebrochen werden, so dass der Pflanzensaft nach außen tritt.
  • Step 7 Durch das Kneten verringert sich das Volumen der Blätter auf weniger als die Hälfte. Dann die Masse fest zusammenpressen, in der Schüssel belassen und mit einem feuchten Tuch, das direkt auf die Blätter gelegt wird, abdecken. 6 – 8 Stunden oder über Nacht bei Zimmertemperatur fermentieren lassen. Nach der abgeschlossenen Fermentation duftet die Masse sehr angenehm und noch stärker süßlich-blumig-fruchtig, als nach der ersten Fermentation. Die Farbe der Blätter hat sich deutlich ins Dunklere geändert.
  • Step 8 Die fermentierte Blattmasse auflockern und in ca. 1 cm große Stücke schneiden. Auch herbei wird empfohlen kein Metallmesser, sondern z. B. ein Keramikmesser zu verwenden.
  • Step 9 Ein oder mehrere Backbleche mit Backpapier auslegen und die fermentierten Blätter gut darauf verteilen. Bei 80°C (Umluft) im Backofen ca. 60 – 120 Minuten trocknen. Die Weidenröschenblätter alle 15 – 20 Minuten mit einem Pfannenwender gut umschichten, damit diese gleichmäßig durchtrocknen. Außerdem entweder die Backofentür leicht geöffnet lassen oder immer wieder die Backofentür kurz öffnen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann.
  • Step 10 Wenn die Weidenröschenblätter sehr gut durchgetrocknet sind sieht der Ivan Chai ähnlich wie schwarzer Tee aus.
  • Step 11 Den fertigen Ivan Chai in luftdicht schließende Gläser* füllen. Bis zur Verwendung trocken und dunkel lagern.

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