Dresdner Eierschecke – Diesen Kuchen muss man lieben

Dresdner Eierschecke – Diesen Kuchen muss man lieben

Sächsische Kaffeehauskultur

Bereits zu Zeiten des Kurfürsten August des Starken (1670-1733), der ab 1709 als August II. zugleich König von Polen und Großherzog von Litauen war, wurde der Kaffee zum sächsischen Nationalgetränk. In Leipzig öffneten bereits Ende des 17. Jahrhunderts die ersten Kaffeehäuser. 1697 wurde dort eine Kaffeehausordnung erlassen.

In Leipzig befindet sich, neben dem Pariser Café Procope auch das älteste durchgehend geöffnete Kaffeehaus der Welt, das Coffe Baum in der Kleinen Fleischergasse 4. Seit mindestens 1711 wird in dem 1694 von Adam Heinrich Schütz eröffneten Haus Kaffee ausgeschenkt. Hier gingen und gehen große Persönlichkeiten ein und aus. Neben August dem Starken, zählten im Verlauf von drei Jahrhunderten Johann Sebastian Bach, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, Napoleon Bonaparte, Robert Schumann, Franz Liszt, Richard Wagner, August Bebel, Erich Kästner, Heinz Rühmann und Liza Minnelli auch Bill Clinton, Otto Waalkes und viele andere Prominente zu den Gästen.

Noch heute wird im Coffe Baum im Erdgeschoß und im ersten Obergeschoß Kaffee ausgeschenkt. Außerdem befindet sich hier in der dritten Etage des Hauses eines der bedeutendsten Kaffeemuseen der Welt. Im Erdgeschoß des Hauses befindet sich auch der Kaisersaal. Der Name des Kaisersaals soll auf Napoleon zurückgehen, während andere Quellen davon berichten, dass ein Bürger Leipzigs mit Namen Kaiser an diesem Ort sein gesamtes Vermögen im wahrsten Sinne versoffen haben soll, was dem Saal zu seinem Namen verhalf.

Deutsche Kaffeekultur, Meissener Porzellan und Kaffeefilter made in Sachsen

Johann Sebastian Bach soll zu den fleißigen Kaffeehausbesuchern gehört haben. Zwei Mal wöchentlich soll er im Kaffeehaus zu finden gewesen sein. Die von ihm komponierte Kaffeekantate gilt als Höhepunkt sächsischer Kaffeehausmusik. Man merkt schon deutlich, dass Kaffee und Leipzig einfach zusammengehören.

Sachsen spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der deutschen Kaffeekultur und des damit verbundenen Nachmittagskaffees. Hier wurde das europäische Porzellan erfunden, das erst am Hof und schließlich an der bürgerlichen Kaffeetafel Einzug hielt. Mit starkem Kaffee und Meissener Porzellan konnte man Ansehen erlangen. Es sei denn, dass die Blumenmalerei auf dem Boden der Tassen zu sehen war und man seinen Gästen Blümchenkaffee anbot.

1908 entwickelte die 35-jährige Hausfrau Melitta Bentz in Dresden aus Löschpapier und einer mit Löchern versehenen Konservendose einen Kaffeefilter, der Kaffeesatz beim Aufbrühen von Kaffee verhindern sollte. Dies funktionierte so gut, dass der “Kaffeefilter mit nach unten gewölbtem, mit einem Abflussloch versehenem Boden und lose einliegendem Siebe” als geschütztes Gebrauchsmuster Nr. 347895 beim Kaiserlichen Patentamt angemeldet wurde. Die Firma Melitta war geboren.

Legendäre Kaffeesachsen

Die Vorliebe der Sachsen für Kaffee führte sogar dazu, dass das Wort Kaffeesachse in das Deutsche Wörterbuch aufgenommen wurde, allerdings auch zu Hohn und Spott. Man unterstellte den Sachsen im Siebenjährigen Krieg das Motto “Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn!” zu pflegen. Berühmtheit erlangte aber auch das Goldene Kaffeezeug August des Starken, welches heute im Grünen Gewölbe in Dresden zu bestaunen ist. Aus Gold, Emaille, Elfenbein und ca. 5600 Diamanten. Die Kosten hierfür lagen seinerzeit bei 50.000 Talern, was in etwa den Kosten des Rohbaus von Schloss Moritzburg entsprach.

Die legendäre Leidenschaft der Sachsen für Kaffee führte auch zur Entwicklung einer breiten Vielfalt an süßen Gebäckspezialitäten, von denen so manche weltbekannt wurden. Schließlich musste der Kaffeesachse (Gaffeesagse) zum Scheelchen Heeßn auch etwas essen. Womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären. Was essen Sachsen am liebsten zu einem guten Kaffee? Natürlich Eierschecke zum Beispiel.

Unstillbarer Kuchenhunger

Die Dresdner Eierschecke oder kurz einfach Schecke, ist eine aus drei Schichten bestehende sächsische Spezialität. Sachsen ist seit langem für seine Kuchenspezialitäten und süßes Gebäck bekannt. Es soll keine Gegend in Deutschland geben, wo so viel Kuchen gegessen wird, wie im Freistaat Sachsen.

Die Eierschecke gibt es in einigen Varianten, mit Hefe- oder Mürbeteigboden, mit einem Belag aus Quark, mit Mohn oder Äpfeln. Typisch ist, dass die Schecke aus drei Schichten besteht. Bei der Bezeichnung Schecke handelt es sich ursprünglich um eine im 14. Jahrhundert übliche Männerbekleidung, die über der Hüfte mit einem Gürtel getragen wurde und dadurch dreigeteilt wirkte. Die Dresdner Eierschecke verdankt vermutlich diesem Kleidungsstück seinen Namen. Andere Quellen gehen davon aus, dass der Name Schecke auf die ungleichmäßige Bräunung der Oberfläche beim Backen zurückgeht.

BUKECHI | Dresdner Eierschecke

Für die Dresdner Eierschecke wird auf dem Hefeteigboden eine Quarkschicht aufgetragen, wahlweise Rosinen und gehackte Mandeln aufgestreut und dann mit der glattgestrichenen Scheckenmasse überdeckt. Ein vorgeschriebenes Rezept für die Dresdner Eierschecke gibt es allerdings nicht. Zwar wird die Eierschecke in allen Bäckereien und Konditoreien in Dresden und Umgebung gebacken, die Zahl der Variationen ist aber auch dort vielfältig. Kombinationen mit Streuseln oder Schokoladenüberzug. Jeder Bäcker und jede Hausfrau hat ein Geheim- oder überliefertes Familienrezept. Der Fantasie sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt.

Tatsache ist, dass die Dresdner Eierschecke eines der bekanntesten Gebäcke der sächsischen Landeshauptstadt ist. Für uns ist die Schecke die Königsklasse der sächsischen Kuchen. Einfach gesagt wissen die Sachsen, was gut ist!

Schon Erich Kästner sagte:

„Die Eierschecke ist eine Kuchensorte, die zum Schaden der Menschheit auf dem Rest des Globus unbekannt geblieben ist.“

Und Martin Walser schrieb in Die Verteidigung der Kindheit:

„Eierschecke gibt es außerhalb Sachsens nur ersatzweise und innerhalb Sachsens nirgends so gut wie im Toscana (Café in Dresden).“

Zusammengefasst ist die Dresdner Eierschecke ein Meisterwerk sächsischer Backkunst und man muss sie einfach probiert haben. In Teilen der Republik ist die Schecke Kult(ur), in anderen Teilen relativ oder gänzlich unbekannt. Das ist sehr schade. Wir empfehlen euch den Kuchen unbedingt mal nachzubacken. Der Kuchen kann zwar einfach auf einem Backblech verteilt werden, wir empfehlen aber einen ausziehbaren Backrahmen zu verwenden. Damit gelingt die Dresdner Eierschecke noch besser und sieht auch viel schöner aus.

Dresdner Eierschecke – Diesen Kuchen muss man lieben

23. Oktober 2021
: leicht

Die Dresdner Eierschecke ist der beliebteste Kuchen in Dresden und Umgebung. Das heute verwendete Rezept geht auf die 1920er Jahre zurück. Der früher vergleichsweise teure Kuchen wurde später für die Masse erschwinglich. Die dicke Quark- und Eiermasse mit dem unvergleichlichen Geschmack, bei relativ simpler Herstellung, blieb lange dem wohlhabenden Bürgertum vorbehalten. Tipp: Wenn sich die Scheckenmasse nach dem Backen elastisch anfühlt, wenn man vorsichtig mit dem Finger draufdrückt, ist die Dresdner Eierschecke perfekt gelungen.

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Zutaten
  • Für den Hefeteig:
    300 g Weizenmehl Type 405 oder 550
    1 Päckchen Trockenhefe
    50 g Zucker
    1 Prise Salz
    ½ Zitrone, Schalenabrieb
    1 Ei
    125 ml Milch, lauwarm
    100 g Butter, flüssig
    1 Päckchen Vanillezucker
  • Für den Vanillepudding:
    1 Päckchen Vanillepuddingpulver
    500 ml Milch
    40 g Zucker
  • Für die Quarkmasse:
    1/2 des Vanillepuddings
    700 g Magerquark
    2 TL Speisestärke
    80 g Zucker
    1 Eigelb
    ½ Zitrone, Schalenabrieb und Saft
    optional: 75 g Sultaninen und 50 g Mandeln gehackt
  • Für die Scheckenmasse:
    ½ des Vanillepuddings
    4 Eigelbe
    150 g weiche Butter
    120 g Zucker
    5 Eiweiße
    1 Prise Salz
Anleitung
  • Step 1 Den Vanillepudding nach Packungsangabe zubereiten. Wenn der Pudding fertig ist, den Topf vom Herd nehmen. Mit einer Lage Haushaltspapier den Topf bedecken und den Topfdeckel direkt darauflegen. Das soll verhindern, dass der Pudding eine zu dicke Haut bekommt.
  • Step 2 Den Vanillepudding komplett abkühlen lassen.
  • Step 3 Für den Hefeteig das Mehl mit der Hefe, dem Zucker und Salz in einer Rührschüssel vermischen.
  • Step 4 Die Schale der Zitrone abreiben und den Saft auspressen. Die Hälfte des Schalenabrieb zur Mehlmischung geben. Den Rest zur Seite stellen.
  • Step 5 Milch und Butter leicht erwärmen und ebenfalls in die Rührschüssel geben.
  • Step 6 Alles zu einem geschmeidigen Teig verkneten.
  • Step 7 Die Schüssel bedecken und für ca. 45 Minuten an einen warmen Ort stellen.
  • Step 8 Ein Backblech mit Backpapier auslegen. Wir empfehlen die Verwendung eines ausziehbaren Backrahmens.
  • Step 9 Den Backrahmen so weit ausziehen, dass das Backblech auf allen Seiten noch einige Zentimeter Platz bietet.
  • Step 10 Den Teig in Größe dieser Fläche ausrollen und in den Backrahmen legen. Den Teig gut darin verteilen und wenn nötig die Ränder etwas nach oben festdrücken.
  • Step 11 Den Teig mehrfach über den Teig verteilt, mit einer Gabel einstechen.
  • Step 12 Für die Quarkmasse ein Ei trennen und das Eigelb in die Rührschüssel geben. Das Eiweiß zur Seite stellen.
  • Step 13 Den Quark, die Hälfte des abgekühlten Vanillepuddings, Zucker, Speisestärke, den restlichen Schalenabrieb der Zitrone und den Zitronensaft hinzufügen.
  • Step 14 Alles gut miteinander verrühren. Am besten geht das mit dem Handrührgerät.
  • Step 15 Die glattgerührte Quarkmasse über den Hefeteig in den Backrahmen geben und mit einem Teigschaber gleichmäßig verteilen.
  • Step 16 Wer Sultaninen und/oder gehackte Mandeln benutzen möchte, streut diese nun gleichmäßig über die Quarkmasse.
  • Step 17 Den Backofen auf 180°C vorheizen.
  • Step 18 Für die Scheckenmasse zunächst die Eier trennen.
  • Step 19 Die Eiweiße mit dem zur Seite gestellten Eiweiß in eine Rührschüssel geben, eine Prise Salz hinzufügen und zu einem festen Eischnee verarbeiten.
  • Step 20 Die zimmerwarme Butter, den Zucker, die Hälfte des Vanillepuddings und die Eigelbe in einer Schüssel miteinander verrühren.
  • Step 21 Dann den Eischnee unterheben.
  • Step 22 Die fertige Scheckenmasse über die Quarkmasse in den Backrahmen geben und mit einem Teigschaber gut verteilen.
  • Step 23 Für 30 Minuten bei 180°C in den Ofen schieben. Dann den Backofen auf 150 Grad stellen und weiter 20 Minuten backen. Anschließend die Dresdner Eierschecke weitere 15 Minuten im ausgeschalteten, aber noch heißen Backofen stehen lassen.
  • Step 24 Die Schecke vor dem Anschneiden vollständig auskühlen lassen und wenn gewünscht mit Zucker oder Puderzucker bestreuen.


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