Pommes Spezial – Pommesgeheimnisse aus Benelux

Pommes Spezial – Pommesgeheimnisse aus Benelux

Die niederländische und belgische Pommeskultur ist weltweit einzigartig. Das mag zunächst verwundern, wurden die Pommes frites doch, so weiß jedes Kind, einst in Belgien erfunden. Auch wenn die Amerikaner die frittierten Kartoffelstreifen als French Fries bezeichnen, ändert dies nichts an dieser Tatsache. Dachten wir jedenfalls. Denn wo genau die Pommes frites erfunden wurden ist eigentlich unklar. Tatsache ist aber, dass die Belgier sehr gut darin waren und sind, die Pommes frites zuzubereiten.

Belgien und die Niederlande – Getrennt und durch die Pommes frites doch vereint

Nachdem die Pommes frites in Belgien bekannt und beliebt wurden, wurden die frittierten Kartoffelstäbchen spätestens 1868 auch in den Niederlanden verkauft. Aber was haben die Niederländer mit Belgien zu tun? Nach dem Sieg über Napoleon in der Schlacht bei Waterloo wurde 1815 das Vereinigte Königreich der Niederlande gegründet, zu dem auch das heutige Belgien gehörte. Belgien erklärte im Zuge der belgischen Revolution 1830 seine Unabhängigkeit. Am 21. Juli 1831 wurde Leopold I. als erster König der Belgier vereidigt. Er war der Onkel sowohl von Queen Victoria, als auch von deren Mann Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha.

Was Belgier und Niederländer in Sachen Pommes frites noch gemeinsam haben, ist das man eigentlich immer eine Sauce dazu isst. In Belgien werden häufig Mayonnaise, Ketchup, Senf, Currysauce (Mayonnaise mit Curry) oder Samurai Sauce (Mayonnaise mit Sambal Oelek) gewählt. Aber auch die Saucenauswahl in Belgien und den Niederlanden geht fließend ineinander über.

BUKECHI | Niederlande Frites – Mannekenpis, Amsterdam

↑ Mannekenpis – Amsterdam, Niederlande

BUKECHI | Chez Papy – Brüssel, Belgien

↑ Chez Papy – Brüssel, Belgien

Der Vollständigkeit halber sei hier erwähnt, dass Luxemburg auf dem Wiener Kongress 1815 zum Großherzogtum erhoben wurde. Dieses wurde bis 1890 in Personalunion vom König der Niederlande regiert, bevor Luxemburg nach dem Tod von Wilhelm III. von Oranien-Nassau endgültig seine Unabhängigkeit erlangte. Die Personalunion endete, da nach dem salischen Gesetz, welches in Luxemburg galt, keine Frau Thronfolgerin werden konnte. Selbiges Gesetz beendete 1837 auch die Personalunion zwischen dem Königreich Hannover und dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland.

Friet, Patat und Pommes frites

Um es vorwegzunehmen: Friet, Patat und Pommes sind ein und dasselbe. Es kommt nur darauf an, wo man sich befindet. Im Süden und Osten der Niederlande sind es Friet, in den restlichen Niederlanden Patat. Gerne wird in den Niederlanden noch die Verniedlichungsform angehängt, also Frietje oder Patatje. Das wäre so, als würde man in Deutschland Pommes-chen oder Pommes-lein sagen. Die Nutzung des sogenannten Diminutivs soll in den Niederlanden sehr gerne verwendet werden. In Belgien heißen die Pommes frites dagegen Frieten. In Deutschland sind es dann einfach Pommes, Pommfritt oder Fritten.

Friet oder Frietje speciaal (Pommes spezial) mit Mayonnaise, Curryketchup und mit viel frischer, gehackter Zwiebel. Das hört sich nach einer seltsamen Mischung an. Wer es aber einmal probiert hat, der wird von dieser und den anderen niederländischen Saucenkreationen und kreativen Mischungen überzeugt sein. Ausprobieren lohnt sich!

Die Geschichte mit den Kriegspommes

Pataje Oorlog, die Kriegspommes (auch Pommeskrieg) bestehen aus Mayonnaise, Satésauce und frischen, gehackten Zwiebeln. Diese Beilagen sind obligatorisch für die Kriegspommes. Weitere Zutaten, wie Tomaten- oder Curryketchup können optional hinzugefügt werden. Natürlich mussten die Saucen mit weiteren oder anderen Zutaten auch einen Namen bekommen. Viele Jugendliche machten sich einen Spaß daraus, die neuen Kriegspommes-Beilagen nach immer neuen, aktuellen oder möglichen Kriegen zu benennen.

So entstanden daraus beispielsweise die Patatje Kernoorlog (Nuklearkriegspommes). Bestehend aus Mayonnaise, Tomaten- oder Curryketchup und Erdnusssauce mit frischen Zwiebeln. Die Patatje Vietnamoorlog, bestehend aus Mayonnaise, Erdnusssauce und Sambal, mit frischen Zwiebeln. Die Patatje Golfoorlog, bestehend aus Mayonnaise, Erdnusssauce und Senf und natürlich mit frischen Zwiebeln.

Man könnte meinen, dass sich der Name „Oorlog“ (Krieg) darauf bezieht, dass die Niederländer sich im Zweiten Weltkrieg von den Kriegspommes ernährten. Aber tatsächlich bezieht sich das Wort ausschließlich auf das Durcheinander der Zutaten auf dem Teller. Also quasi „der Krieg oder das Chaos auf dem Teller“.

BUKECHI | Kriegspommes

Es gab Versuche den Namen in „Patatje vrede“ (Friedenspommes) umzubenennen, um dem Namen der Pommes-Zusammenstellung eine positive Bezeichnung zu geben. Das war aber nicht sehr erfolgreich. Manch ein Imbiss benannte die Pommes um und verärgerte die Kunden damit so sehr, dass dies zu heftigen Streitgesprächen mit der Kundschaft führte. Daher blieben und bleiben die Kriegspommes, was sie sind: Eine typisch niederländische, leckere Sache, die man probiert haben muss. Ob im Ursprungsland oder zu Hause und unter welchem Namen auch immer.

Gängige Pommes-Saucen und -Kombinationen bei unseren Nachbarn

Einige Variationen der niederländischen Pommeskultur haben wir bereits beschrieben. Nun folgen noch einige gängige Varianten. Diese Liste ist sicher nicht vollständig. Wenn ihr weitere Varianten kennt, schreibt uns gerne einen Kommentar dazu.

Friet oder Patatje zonder – Pommes ohne alles
Friet oder Patatje met (mayo) – Pommes mit Mayonnaise
Friet oder Patatje pinda oder saté – Pommes mit Pindasauce (Erdnusssauce) oder Satésauce
Friet oder Patatje joppie – Pommes mit Joppiesauce

In den Niederlanden gibt es auch immer wieder einen Trend, Gerichte aus anderen Kulturen zu übernehmen oder diese mit zum Beispiel der eigenen Ess- und Pommeskultur zu verbinden. Ein Beispiel dafür ist (Friet oder Patatje) kapsalon (Friseursalon) – Eine Schicht Pommes, mit einer Schicht Fleisch (Döner Kebab, Gyros oder Schawarma), mit Gouda-Scheiben belegt und im Ofen überbacken. Dann mit zerkleinertem Eisbergsalat belegt und mit Knoblauchsauce und Sambal beträufelt. Das Gericht geht auf den Friseur Nathaniël Gomes zurück, der in einem Imbiss in Rotterdam diese Zusammenstellung 2003 erstmals bestellte.

Da er regelmäßig diese Mischung in demselben Imbiss bestellte, ging der Imbiss dazu über diese Bestellung mit „die (übliche) Bestellung für den Kapsalon“ zu bezeichnen. Als die anderen Kunden dies bemerkten, wurde der „Kapsalon“ auch immer öfter von anderen Kunden bestellt. Das multikulturelle Gericht Kapsalon wurde auch international bekannt. Es ist daher auch außerhalb der Niederlande möglich, dass dieses Gericht bestellt werden kann.

Ein weiteres Beispiel für die Verschmelzung von anderen kulturellen Einflüssen ist das beliebte Gericht Patatje Rendang. Rendang ist ein traditionelles Fleischgericht der indonesischen Küche. Vieles aus der ehemaligen niederländischen Kolonie hat es in die niederländische Küche geschafft. Beispiele sind Satéspieße und die dazugehörige Sauce, die auch gerne zum Nationalgericht schlechthin, den Pommes gegessen wird.

Das man bei unseren niederländischen und belgischen Nachbarn der Meinung ist, dass Pommes zu allem passen, kann man auch an den folgenden Gerichten erahnen:

Limburgs Zuurvlees oder Zorvleisj met friet (Limburger Sauerfleisch mit Pommes) oder Stoofvlees oder Stoverij met frietjes (Flämischer/Belgischer Fleischeintopf) mit Pommes. Letzteres Gericht wird auch oft als Belgisches Biergulasch bezeichnet. Moules-frites (Miesmuscheln mit Fritten).

Was ist das Geheimnis hinter den niederländischen und belgischen Pommes?

Das Geheimnis perfekter Pommes ist, dass die Kartoffelstreifen bei 130° – 150°C einige Minuten in Öl vorgegart werden. Anschließend werden die Pommes aus dem Fett genommen und einige Minuten bis zu ein paar Stunden später werden die Pommes bei 175 – 180°C goldbraun ausgebacken. Außerdem werden mehlig kochende Kartoffeln verwendet.

BUKECHI | Niederlande Frites – Mannekenpis, Amsterdam

↑ Niederlande Frites – Mannekenpis, Amsterdam

Belgische Pommes werden dazu noch traditionell in Rindertalg frittiert, was ihnen einen besonderen Geschmack verleiht. Die richtigen belgischen Pommes sind also weder vegetarisch, noch vegan. Heutzutage geht man aber aus Kostengründen eher dazu über, die Pommes in Pflanzenöl zu frittieren. Wer es genau wissen will, weil man auf tierische Produkte verzichtet möchte, sollte in Belgien besser nachfragen, woraus das Frittieröl besteht.

BUKECHI | Chez Papy – Brüssel, Belgien

↑ Belgian Frites – Chez Papy, Brüssel

Pommesverrücktes Belgien

Belgien hat den weltweit höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Pommes frites. Jeder Belgier vertilgt statistisch gesehen ca. 25 kg pro Jahr. Belgien ist mit ca. 3 Millionen Tonnen der weltweit größte Exporteur für Fertigpommes. In Belgien gibt es ca. 5000 Fritüren (Pommesbuden). Das entspricht ca. einer Fritüre auf 2200 Belgier oder pro 6 km² Landesfläche.

Belgien beantragte bereits, die belgische Pommeskultur als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen. Die Frittenbudenkultur mit ihren Fritüren, „Friterie“ oder „Frituur“ genannten Imbissbuden, die ausschließlich frittierte Gerichte anbieten wurde bereits als Kulturerbe anerkannt.

Pommes Spezial – Pommesgeheimnisse aus Benelux

26. Januar 2026
: Leicht

Pommes auf belgische Art selbermachen. Die ideale Dicke der Pommes soll bei 11 mm liegen. Manche empfehlen die Pommes in Rindertalg vorzufrittieren und für den zweiten Frittiervorgang Pflanzenöl zu berwenden. Wir bevorzugen für beide Frittierdurchgänge Pfanzenöl/Frittieröl zu verwenden.

Zutaten
  • 1 kg mehlig kochende Kartoffeln
  • Zum Frittieren:
    Rindertalg, alternativ Erdnussöl oder Frittieröl
Anleitung
  • Step 1 Die Kartoffeln waschen, schälen und in etwa 1 x 1 cm dicke Stifte schneiden.
  • Step 2 Eine große Schüssel mit lauwarmem Wasser füllen. Die Kartoffelstifte in die Schüssel geben und für mindestens 30 Minuten wässern, um den Kartoffeln die Stärke zu entziehen.
  • Step 3 Rindertalg, Erdnussöl oder Frittieröl im die Fritteuse* oder einen Topf geben.
  • Step 4 Das Fett bzw. Öl auf 150°C erhitzen.
  • Step 5 Die Kartoffelstifte aus dem Wasser nehmen und mit einem Küchentuch oder mit Haushaltspapier sehr gut trockentupfen.
  • Step 6 Die Kartoffelstifte portionsweise in das heiße Fett bzw. Öl geben und 5 Minuten vorfrittieren.
  • Step 7 Die vorfrittierten Pommes gut abtropfen lassen und mindestens 30 Minuten, am besten länger, abgedeckt auf Zimmertemperatur abkühlen lassen.
  • Step 8 Das Fett bzw. Öl auf 180°C erhitzen.
  • Step 9 Im zweiten Frittiervorgang werden die Pommes so lange frittiert, bis sie goldgelb geworden sind. Das dauert ca. 2 – 4 Minuten.
  • Step 10 Die fertigen Pommes nach belgischer Art mit Salz bestreuen und noch heiß mit der Sauce der Wahl servieren. Zum Beispiel als Pommes spezial mit Mayonnaise, Curryketchup und natürlich viel frischer, gehackter Zwiebel.

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